Ein »ehrlicher« Schmuggler
Es war einmal ein Mann, der täglich mit einem bepackten Esel über die Grenze ging. Die Körbe waren jedes Mal mit Stroh voll beladen. Auf die Frage der Zollbeamten, ob er ein Schmuggler sei, antwortete dieser stets mit einem Ja. Daher wurden er und auch das ganze Stroh immer wieder durchsucht. Doch die Grenzwachen konnten nie etwas Verdächtiges finden. Der Mann wurde im Laufe der Jahre sichtlich wohlhabender. So setzte er sich schließlich zur Ruhe. Nach einigen Jahren traf er in der Schenke auf einen jener Zollbeamten. Dieser fragte ihn sogleich: »Heute könnt Ihr mir doch verraten, was Ihr damals geschmuggelt habt und was wir niemals finden konnten?« »Das ist ganz einfach«, schmunzelte der wohlhabende Mann, »das waren die ESEL!«
Nach einer Geschichte

Ein etwas anderes Gebet
Es war einmal ein Gaukler, der über viele Jahre hinweg sein Publikum stets mit kühnsten Kunststücken und traumhaften Darbietungen begeistert hatte. Als er eines Tages des Herumziehens müde geworden war, spendete er all sein Hab und Gut einem Kloster und bat den Abt um die Aufnahme in den Orden.Doch ihm war nicht nur die Mönchskutte fremd, er haderte bald mit dem gesamten Klosterleben. Sein Herz wurde von tiefem Gram erfüllt. Er konnte weder lesen noch schreiben und auch die lateinischen Gebete und Lieder waren ihm unverständlich. Er fühlte, dass er hier fehl am Platz war. Immer, wenn fortan die Glocke zur Messe läutete, schlich er sich zu einer abgelegenen Kapelle und legte dort seine Mönchskutte ab. In seinem bunten Gauklergewand wirbelte er singend und tanzend durch die ganze Kapelle, um Gott zu erfreuen. Ein Mönch, der ihm heimlich gefolgt war, holte den Abt herbei, damit er den Gaukler in seine Schranken weise. Durch das Fenster beobachteten sie den Mann in seinen bunten Kleidern, wie er voller Inbrunst mit Leib und Seele sang und tanzte. Unermüdlich lief er auf Händen durch die Kapelle und schlug Räder und Saltos. Er drehte sich im quirligen Schwung mal nach links, nach rechts und rundherum. Erst als sich der Gaukler atemlos und erschöpft niedersetzte, kam der Abt auf ihn zu. Der Mann erschrak zutiefst und fiel ehrfürchtig vor ihm auf die Knie: »Ich weiß, dass ich ein schlechter Mönch bin. Anstatt mit Euch zu beten, habe ich getanzt und meine Lieder gesungen. Ihr habt recht, wenn Ihr mich aus dem Kloster verbannt.« Doch zu seinem Erstaunen verneigte sich der Abt vor ihm: »Mit deiner Art zu beten, sprichst du eindringlicher zu Gott, als wir es tun. Unsere Gebete werden nur von den Lippen geformt, aber deine Frömmigkeit kommt aus dem Herzen. Bitte bleibe bei uns.«
Nach einer französischen Legende