111 Herzensweisheiten

Geschichten, Erzählungen und Zitate

Dieses Buch ist eine Sammlung besonderer Geschichten und Zitate. In den kurzen Erzählungen finden sich anregende, tiefgründige sowie kurzweilige Lebensweisheiten.
Viele der Geschichten, die häufig direkt aus dem Leben gegriffen sind, regen zum Nachdenken an und erfreuen zugleich das Herz. Andere wiederum entstammen alt überlieferten Weisheiten, die schon viele Generationen vor uns berührt und inspiriert haben. »111 Herzensweisheiten« bietet entspannende Momente und eignet sich wunderbar zum Vorlesen oder als Präsent für Ihre Lieben.

Ein »ehrlicher« Schmuggler
Es war einmal ein Mann, der täglich mit einem bepackten Esel über die Grenze ging. Die Körbe waren jedes Mal mit Stroh voll beladen. Auf die Frage der Zollbeamten, ob er ein Schmuggler sei, antwortete dieser stets mit einem Ja. Daher wurden er und auch das ganze Stroh immer wieder durchsucht. Doch die Grenzwachen konnten nie etwas Verdächtiges finden. Der Mann wurde im Laufe der Jahre sichtlich wohlhabender. So setzte er sich schließlich zur Ruhe. Nach einigen Jahren traf er in der Schenke auf einen jener Zollbeamten. Dieser fragte ihn sogleich: »Heute könnt Ihr mir doch verraten, was Ihr damals geschmuggelt habt und was wir niemals finden konnten?« »Das ist ganz einfach«, schmunzelte der wohlhabende Mann, »das waren die ESEL!«
Nach einer Geschichte

Ein etwas anderes Gebet
Es war einmal ein Gaukler, der über viele Jahre hinweg sein Publikum stets mit kühnsten Kunststücken und traumhaften Darbietungen begeistert hatte. Als er eines Tages des Herumziehens müde geworden war, spendete er all sein Hab und Gut einem Kloster und bat den Abt um die Aufnahme in den Orden.Doch ihm war nicht nur die Mönchskutte fremd, er haderte bald mit dem gesamten Klosterleben. Sein Herz wurde von tiefem Gram erfüllt. Er konnte weder lesen noch schreiben und auch die lateinischen Gebete und Lieder waren ihm unverständlich. Er fühlte, dass er hier fehl am Platz war. Immer, wenn fortan die Glocke zur Messe läutete, schlich er sich zu einer abgelegenen Kapelle und legte dort seine Mönchskutte ab. In seinem bunten Gauklergewand wirbelte er singend und tanzend durch die ganze Kapelle, um Gott zu erfreuen. Ein Mönch, der ihm heimlich gefolgt war, holte den Abt herbei, damit er den Gaukler in seine Schranken weise. Durch das Fenster beobachteten sie den Mann in seinen bunten Kleidern, wie er voller Inbrunst mit Leib und Seele sang und tanzte. Unermüdlich lief er auf Händen durch die Kapelle und schlug Räder und Saltos. Er drehte sich im quirligen Schwung mal nach links, nach rechts und rundherum. Erst als sich der Gaukler atemlos und erschöpft niedersetzte, kam der Abt auf ihn zu. Der Mann erschrak zutiefst und fiel ehrfürchtig vor ihm auf die Knie: »Ich weiß, dass ich ein schlechter Mönch bin. Anstatt mit Euch zu beten, habe ich getanzt und meine Lieder gesungen. Ihr habt recht, wenn Ihr mich aus dem Kloster verbannt.« Doch zu seinem Erstaunen verneigte sich der Abt vor ihm: »Mit deiner Art zu beten, sprichst du eindringlicher zu Gott, als wir es tun. Unsere Gebete werden nur von den Lippen geformt, aber deine Frömmigkeit kommt aus dem Herzen. Bitte bleibe bei uns.«
Nach einer französischen Legende

Das Buch erscheint ab Juli 2018. Ich freue mich schon über Ihr Feedback zum Buch.

Geschichten, die dein Herz berühren

Erzählungen, Weisheiten und Zitate

Dieses Buch ist eine bunte Schatztruhe von inspirierenden Geschichten und Weisheiten fürs Herz: eine wirkliche Bereicherung für alle, die kurzweilige, hintergründige und herzerwärmende Texte lieben.
Die begeisterte Geschichtensammlerin und Autorin bringt mit ihren Erzählungen tiefe Herzenswahrheiten unterhaltsam und feinfühlig auf den Punkt.
So wirken ihre Geschichten wie Balsam für die Seele und sorgen nachhaltig für Momente des Glücks.
Wie schon der letzte Band, »Inspirationen für’s Herz«, ist auch diese Ausgabe wieder liebevoll und künstlerisch illustriert.
Ein Geschenk für alle Sinne, das man sich gerne selbst, aber auch besonders lieben Menschen macht.
Lassen Sie sich verzaubern von der Welt der Geschichten.

Förderungsfähige Eltern
Ein 16-jähriges Mädchen klagt der klugen Lieblingstante ihr Leid: »Jeden Tag gibt es Streit mit meinen Eltern. Ich verstehe sie einfach nicht mehr! Sie haben keinen Sinn für Modernes, haben altmodische Ansichten, sind bestimmend, konservativ, rückständig und einfach uncool!«
Die Tante nickt verständnisvoll: »Ich kann dich bestens verstehen. Als ich in deinem Alter war, ging es mir genauso mit meinen Eltern. Du musst nur ein wenig Geduld haben. Ältere Leute entwickeln sich langsamer.
Meine Eltern hatten nach wenigen Jahren schon so viel dazugelernt, dass ich mich schon ganz vernünftig mit ihnen unterhalten konnte. Und du wirst es kaum glauben. Heute, nach fünfzehn Jahren, gehe ich jedes Mal zu meinen Eltern, wenn ich einen Rat brauche. Siehst du, so können die sich ändern!«
© Gisela Rieger

Von den Fesseln befreit
Einem König wurden die in Ketten gefesselten neuen Sklaven vorgeführt.
Alle standen gebückt und mit gesenktem Blick. Nur ein Einziger hatte sein Haupt erhoben. Er lächelte und summte ein fröhliches Lied vor sich hin. Obwohl er die Peitsche der Wärter zu spüren bekam, ließ er von seinem Singen nicht ab!
Der König sprach ihn sogleich verwundert an: »Was ist mit dir, Sklave? Wie kannst du in deiner Lage guter Dinge sein?«
»Mein König. Eure Wärter haben nur mich und meine Beine in Ketten geschlagen. Mein Herz jedoch erreichen sie nie!«
Der Herrscher ließ den Sklaven zu sich in seine Gemächer rufen. Nach langen Gesprächen ernannte ihn der König zu seinem neuen Berater. Umgehend wurde im gesamten Königreich die Sklaverei abgeschafft.
Daraufhin wurde das Land reicher und das Volk zufriedener als jemals zuvor!
© Gisela Rieger

Verlässliche Wettervorhersage?
Eine Gruppe von Indianern suchte einen Schamanen auf, der bis über die Landesgrenzen hinaus für seine Hellsichtigkeit bekannt war. Sie befragten ihn, wie der kommende Winter werden würde.
Der Schamane entzündete ein Feuer aus verschiedensten Hölzern und warf besondere Kräuter in die Flammen. Singend tanzte er um das Feuer herum und rief die mächtigen Geister zu sich.
Nach Beendigung seiner Zeremonie teilte er den Indianern Folgendes mit: »Ich habe gesehen, dass ein sehr strenger und kalter Winter auf euch zukommt. Sammelt so viel Holz, wie ihr nur könnt, denn ihr werdet es dringend brauchen!«
In den nächsten Tagen verbreitete sich diese besorgniserregende Botschaft unter allen Indianerstämmen. Nach einigen Wochen jedoch überkamen den Hellsichtigen Zweifel an seiner Vorhersage. So rief er beim meteorologischen Wetterdienst an und erkundigte sich nach den Wetterprognosen für den kommenden Winter. Der Meteorologe am anderen Ende der Leitung antwortete ihm: »Es wird mit Sicherheit ein sehr strenger Winter auf uns zukommen, denn man sieht überall Indianer, die wie verrückt Holz sammeln!«
© Gisela Rieger

Die fleißigen Ameisen
Jeden Morgen erschienen die fleißigen Ameisen pünktlich und fröhlich zur Arbeit. Obwohl sie die meiste Zeit des Tages schwer arbeitend verrichteten, liebten sie ihren Beruf. Immer ein Liedchen summend, arbeiteten sie emsig vor sich hin und machten, wenn Not am Mann war, auch diverse Überstunden.
Der Generaldirektor, eine fette Ratte, stellte eines Tages fest, dass es niemanden gab, der die Ameisen bei ihrer Arbeit beaufsichtigte.
So wurde der Mistkäfer als Abteilungsleiter eingestellt, um die Ameisen zu kontrollieren. Sofort erstellte dieser diverse Berichte und begann, die Arbeitsabläufe und Arbeitszeiten zu standardisieren. Die Ameisen mussten nun regelmäßig Bericht erstatten und alles dokumentieren.
Zur Unterstützung des Mistkäfers wurde diesem umgehend die Fliege als seine persönliche Sekretärin zur Seite gestellt. Diese kümmerte sich um sämtliche Telefonate, den Schriftverkehr und die endlose Aktenablage. Die fleißigen Ameisen arbeiteten froh und munter weiter, und von Zeit zu Zeit summten sie ihre Liedchen. Der Generaldirektor war ganz begeistert von den täglichen Berichten des Mistkäfers. Er wollte immer mehr grafische Darstellungen, Kalkulationen und Zukunftsanalysen auf seinem Tisch sehen.
So wurde es nötig, die Heuschrecke als Betriebswirtin einzustellen. Dieser wurde, ihrer Stellung gemäß, ein Firmenwagen zugeteilt sowie ein neues Büro eingerichtet. Um ihr Arbeitspensum bewältigen zu können, wurde ihr die kleine Kröte als Schreibkraft zur Verfügung gestellt. Natürlich bekam diese auch einen neuen Schreibtisch mit rückenschonendem Stuhl.
Die fleißigen Ameisen arbeiteten weiter und summten nur noch ganz selten ein Liedchen.
Sie beschwerten sich beim Generaldirektor, dass sie mit den unzähligen neuen Anweisungen, den Richtlinien und dem vielen Schreibkram, den sie auszufüllen hätten, kaum mehr zu ihrer eigentlichen Arbeit kämen.
Daraufhin beschloss der Generaldirektor, die Grille als Personalchefin einzustellen.
Für die Abteilung, in der die Ameisen arbeiteten, wurde zusätzlich dem Maulwurf der verantwortungsvolle Posten des Administrators anvertraut. Über gute Beziehungen gelang es diesem, seine ehemalige Sekretärin und Geliebte gleich mitzubringen.
Die fleißigen Ameisen kamen nun richtig in Stress und summten gar nicht mehr!
Der Generaldirektor stellte fest, dass die Abteilung der Ameisen bei Weitem nicht mehr die früheren Gewinne erwirtschaftete.
So wurde gegen ein beträchtliches Entgelt der Uhu als Unternehmensberater engagiert. Wochenlang wirbelte er in allen Abteilungen umher, um zu analysieren und zu diagnostizieren.
Nach zwei Monaten legte er dem Generaldirektor seinen Abschlussbericht vor, der Folgendes besagte: »Sie haben zu viel Personal, es müssen Stellen abgebaut werden!!!«
Dem Expertenbericht des Uhus folgend, entließ die Ratte alle Ameisen, die immer so fleißig und fröhlich gearbeitet hatten.
Nun verstanden die Ameisen die Welt nicht mehr.
© Gisela Rieger

Endlich Feierabend
Der Inhaber einer großen Firma war den ganzen Tag über außer Haus, um wichtige geschäftliche Dinge zu regeln. Nachdem er auf dem Rückweg noch eine gefühlte Ewigkeit im Stau stand, ist er nun heilfroh, endlich sein gemütliches Büro wieder zu betreten.
Verwundert betritt er sein Arbeitszimmer, das während seiner Abwesenheit weder beheizt noch gelüftet wurde. Der volle Aschenbecher sowie seine Kaffeetasse und weiteres Geschirr vom Vortag stehen noch auf dem Schreibtisch. Die Blumen lassen ihre Köpfe hängen und der Anzug aus der Reinigung hängt nicht wie gewohnt am Haken.
Seine Tageszeitung sowie das Wirtschaftsmagazin liegen nicht bereit, ebenso wenig die bestellten Opernkarten – dafür aber jede Menge ungeöffneter Briefe.
Er fährt seinen Computer hoch und sieht im Augenwinkel, dass der Anrufbeantworter blinkt und etliche Anrufer eine Nachricht für ihn hinterlassen haben.
Es trifft ihn beinahe der Schlag, als er unzählige Spams und über hundert, noch nicht beantwortete E-Mails vorfindet. Erschwerend kommt hinzu, dass er nirgends die von ihm diktierten Briefe vorliegen sieht.
Völlig entgeistert rennt er nach nebenan, um seine Sekretärin zu suchen.
Er findet sie mit einem Glas Prosecco und sich die Nägel lackierend an ihrem Schreibtisch.
Lächelnd begrüßt sie ihren Chef und fragt, wie sein Tag gewesen ist?
Mit hochrotem Kopf schreit dieser: »Wie mein Tag gewesen ist? Ich möchte wissen, was hier heute geschehen ist!« Die Sekretärin antwortet freundlich und gelassen. »Wissen Sie, Sie fragen mich jeden Abend, was ich um Himmels Willen den ganzen Tag über tue.« Sie nimmt noch genussvoll einen kleinen Schluck aus ihrem Glas und spricht weiter: »Und heute – hab ich einfach einmal nichts gemacht!«
© Gisela Rieger

Ich bin bis heute dem Mann noch nicht begegnet,
wie beruhmt er auch sein mochte,
der nicht nach einer Anerkennung
besser und einsatzfreudiger gearbeitet hatte
als nach einem Tadel.
Charles M. Schwab, amerikanischer Stahlindustrieller, 1862–1939

"Wieder einmal haben Sie mir Weihnachten gerettet. Ich brauche mich nicht durch die überfüllten Geschäfte quälen, sondern kann all meinen Lieben Ihr wunderbares neues Buch schenken. (Mittlerweile wird das schon erwartet – vor allem von meiner fast blinden Tante, die immer aufblüht wenn ich aus Ihren Büchern lese!)
Ihre Geschichten sind also nicht nur für Frauen, denn auch ich als Mann liebe besondere, hintergründige und berührende Texte!"

Gerhard R.

"Auch diese 'Geschichten' von Gisela sind genau wie die 'Inspirationen' sehr berührend. Sie berühren Herz und Seele und man bekommt wieder einen neuen Fokus. Ein Buch, das man nach dem Lesen immer wieder gerne in die Hand nimmt, um die ein oder andere Geschichte noch einmal zu Lesen. Das Buch ist mit sehr ansprechend gestaltet und wer was sinnvolles und herzliches verschenken möchte liegt mit diesem Buch sicherlich richtig."
Petra L.

Inspirationen für’s Herz

Geschichten, Weisheiten und Zitate

Dieses Buch ist eine bunte Schatztruhe von besonderen Texten.
Für alle Leser, die sich gerne auf einfache und hintergründige Weise von Geschichten berühren sowie inspirieren lassen möchten.
Lassen Sie sich verzaubern von der Welt der Geschichten!
Sie entdecken Erzählungen und Weisheiten zu verschiedensten Lebenssituationen. Stimmige Aphorismen krönen diesen Band.
Das liebevoll illustrierte Buch eignet sich auch ideal zum Verschenken.

Das weiße Kieselsteinchen
Vor langer Zeit lebte in einem kleinen Dorf ein ehrbarer Bauer. Sein größtes Glück war seine liebreizende und kluge Tochter.
Eines Jahres, als ein fürchterliches Unwetter übers Land zog, wurde seine gesamte Ernte vernichtet und er geriet in große Not.
Er hörte von seinen Nachbarn, dass es in der Stadt Männer gäbe, die Geld verleihen würden. Erstmalig in seinem Leben beschloss der Bauer einen Schuldschein zu unterschreiben, um wieder neues Saatgut kaufen zu können. Wie es das Schicksal fügte, kam der Bauer zu einem alten Geldverleiher, von dessen zweifelhaftem Ruf ihm nichts bekannt war. Daher lieh er sich bei diesem eine ansehnliche Summe an Geld.
Nach einem Jahr kam der Wucherer zu des Bauern Hof, um sein Geld samt hohem Zins einzutreiben. Da jedoch in diesem Jahr die Ernte sehr mager ausgefallen war, konnte der Bauer nicht bezahlen.
Der unfreundliche Geldeintreiber sah des Bauern junge Tochter und fand sofort Gefallen an ihr. Er schlug dem Bauern folgenden Handel vor: Wenn er ihm seine Tochter zur Frau gäbe, wären ihm alle Schulden erlassen. Der Bauer und seine Tochter waren bestürzt über diesen Antrag.
So zeigte sich der Wucherer großzügig und schlug vor, dass sie Glück und Zufall entscheiden lassen sollten. Er wolle von dem Weg einen schwarzen und einen weißen Kieselstein in seinen Beutel geben. Die Tochter solle einen Stein ziehen. Nähme sie den schwarzen Stein, müsse sie den Alten heiraten und des Bauern Schulden wären erlassen. Nähme sie den weißen Stein, bräuchte sie ihn nicht zu heiraten und die Schulden wären ebenfalls erlassen. Sollte sie sich auf den Handel nicht einlassen, müsse der Bauer in den Schuldturm.
Während er seinen Handel vortrug, bückte sich der Geldeintreiber und nahm blitzschnell zwei Kieselsteine vom Weg und steckte diese in seinen Beutel.
Die Angst hatte wohl die Tochter argwöhnisch gemacht und sie bemerkte mit scharfem Auge, dass der Wucherer zwei schwarze Steine in dem Beutel verschwinden ließ!
Sie schwieg über das Gesehene und überlegte. Egal welchen Stein sie ziehen würde, sie müsste den Alten heiraten. Ihn als Betrüger zu entlarven würde nichts bringen, denn der Vater würde in den Schuldturm wandern. Jedoch heiraten wollte sie ihn niemals!
Die Tochter griff in den Beutel, um einen Kieselstein zu entnehmen und ließ diesen scheinbar unabsichtlich auf den Weg fallen.
»Oh, wie bin ich doch unbeholfen!«, rief sie aus, »Bei den vielen weißen und schwarzen Steinen auf dem Weg können wir den gezogenen gar nicht mehr benennen!«
Die kluge Tochter gab vor, kurz zu überlegen und sagte schnell: »Doch eigentlich ändert dies nichts an der Sache. Wir nehmen einfach den verbleibenden Stein aus dem Beutel, der wird uns zeigen, welche Farbe ich gewählt habe.«
Der Wucherer erkannte seine Lage und getraute sich nicht, seinen Schwindel zu gestehen.

Es ist nicht genug zu wissen,
man muss es auch anwenden.
Es ist nicht genug zu wollen,
man muss es auch tun.

Johann Wolfgang von Goethe, Dichter, 1749-1832

Das Wunderkästchen
Es war einmal eine Krämersfrau, die mit ihrem Geschäft kein Glück mehr hatte. Ihr Laden verlotterte immer mehr, die Kunden kauften immer seltener bei ihr ein und sie musste zusehen, wie ihr Vermögen unaufhaltsam schrumpfte. So ging sie eines Tages zu dem alten Dorfweisen und erzählte ihm von ihrem Kummer: »Die Zeiten sind schlecht, mein Geschäft leidet. Kannst du mir denn nicht helfen?«
Der weise Mann gab ihr ein kleines, verschlossenes Kästchen und erklärte ihr: »Du musst dieses Kästchen jeden Morgen, Mittag und Abend herumtragen. Im Laden, im Keller und in jedem Winkel des Hauses, zudem noch rund um dein Anwesen. Dann wird es dir schon wieder besser gehen.
Bring mir aber das Kästchen in einem Jahr wieder zurück.«
Die Frau befolgte gewissenhaft den Rat des Dorfweisen und trug das Kästchen fleißig umher. Dabei entdeckte und sah sie vieles, was sie gar nicht mehr wahrgenommen hatte.
So fegte sie Staub samt Spinnweben aus allen Ecken und putzte Böden, Fenster und den Eingang. Regale wurden abgeschliffen, mit neuer Farbe versehen und ordentlich eingeräumt. Kaputte Dinge ließ sie reparieren sowie den verschlissenen Teppich ersetzen. Den Garten befreite sie von Unkraut, sodass selbst der vergessene Rosenstrauch wieder erblühte.
Vor dem Laden stellte sie eine gemütliche Gartenbank auf und schmückte den Eingang mit Blumentöpfen.
Als das Jahr vorüber war, brachte sie dem weisen Mann das Kästchen zurück und sprach: »Hab vielen herzlichen Dank, guter Mann. Dein Kästchen hat mir sehr geholfen. Bei mir ist der Wohlstand eingezogen. Die Kunden kaufen wieder bei mir ein und mein Haus und Geschäft sind gut bestellt. Doch sag mir, was ist in deinem Zauberkästchen, dass dies solche Wunder vollbringen kann?«
Da lächelte der Mann und sagte: »Das Kästchen war leer. Das Wunder hast du selber vollbracht.«
nach einem Märchen

Glück entsteht oft
durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen,
Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge.

Wilhelm Busch, Dichter, 1832-1908

Eine kleine Geldbörse
Ein Mann stand in einem Spielwarengeschäft vor einem Puppenregal. Er suchte nach einem besonderen Geschenk für seine Tochter.
Da bemerkte er neben sich einen kleinen Jungen, der eine Puppe in der Hand hielt und traurig in seine magere Geldbörse sah.
Der Mann sprach ihn an und fragte, für wen er denn die Puppe kaufen möchte?
Der Junge sagte, dass sich seine kleine Schwester diese so sehr gewünscht habe!
Der Mann schätzte den Jungen so um die fünf Jahre alt und meinte daher tröstend, dass ja bald Weihnachten sei und das Christkind seiner Schwester bestimmt die Puppe bringen würde!
Da entgegnete der Junge: »Dort wo meine Schwester jetzt ist, kann das Christkind keine Puppe mehr hinbringen.« Mit Tränen in den Augen sprach er weiter: »Mein Papa sagt, dass meine Schwester im Himmel ist und dass meine Mama auch bald zu ihr gehen muss, da kann ich ihr doch die Puppe noch für sie mitgeben!«
Bei diesen Worten blieb dem Mann beinahe das Herz stehen! Er fragte den Jungen, ob er ihm seine Geldbörse geben würde, dann könnten sie gemeinsam schauen, ob das Geld reichen würde. Geschickt steckte er heimlich einen Geldschein in die kleine Geldbörse. Beim Durchzählen stellten sie fest, dass das Geld reichen würde und sogar noch etwas übrig bliebe.
Der Junge war ganz aufgeregt und sagte: »Ich habe letzte Nacht gebetet, dass Gott mir genug Geld für die Puppe gibt. Jetzt kann ich sogar noch für Mama eine Rose kaufen, meine Mama liebt Rosen!«
Während der Mann an der Kasse stand, erinnerte er sich an einen Zeitungsartikel, den er vor kurzem gelesen hatte. Ein Autofahrer war wegen überhöhter Geschwindigkeit mit seinem Sportwagen aus einer Kurve geschleudert worden und in ein entgegenkommendes Fahrzeug geprallt. Das kleine Mädchen verstarb noch an der Unfallstelle, die junge Mutter schwebte in Lebensgefahr! Der Raser überlebte mit mittleren Verletzungen.
Als der Mann das Geschäft verließ, fragte er sich, ob es sich bei dem Unfall um die Familie des kleinen Jungen handeln könnte? Er ging auf seinen neuen Sportwagen zu und verstaute die Puppe für seine Tochter auf dem Rücksitz.
Als er nachdenklich nach Hause fuhr, bemerkte er, dass ihm das schnelle Fahren keine Freude mehr bereitete!

Versammlung der Tiere
Einmal im Jahr gibt es eine ganz besondere Nacht, in welcher die Tiere miteinander reden können. An solch einem Tag versammelten sich alle Tiere eines Bauernhofes, um sich auszutauschen. Sie beklagten sich über die Menschen, welche ihnen immer mehr wegnahmen!
»Sie nehmen mir meine Milch weg«, klagten die Kuh und die Ziege.
»Sie nehmen mir meine Eier«, gackerte die Henne.
»Sie nehmen mir mein Fleisch, sobald ich gemästet bin«, grunzte das Schwein.
»Sie nehmen mir meine Wolle«, meckerte das Schaf.
»Sie nehmen mir meine Daunen«, schnatterte die Gans.
»Sie nehmen unseren Honig«, summten die Bienen.
Die Schnecke kam hervorgekrochen und sprach: »Ich habe etwas, was auch mir die Menschen gerne wegnehmen würden, wenn sie es könnten. Etwas, was sie immer mehr begehren! Ich habe ZEIT!«
Inspiriert von einer Sufigeschichte

Es ist nicht zu wenig Zeit
die wir haben,
sondern es ist zu viel Zeit,
die wir nicht nutzen.

Lucius Annaeus Seneca, röm. Philosoph, ca. 1-65

"Wieder mal ein wundervolles Buch!
Und wieder einmal gibt Gisela Rieger ein wundervolles Büchlein heraus, in dem mich jede Geschichte, jedes Gedicht, jeder Gedanke anspricht. Ein wahres Schatzkistchen für alle, die kurze Geschichten und Denkanstöße suchen!
Nur zu empfehlen!"

Petra Kasbauer

"Dieses handliche, liebevoll aufgemachte Büchlein besticht nicht nur durch die herzerwärmenden und nachdenklich oder heiter stimmenden Texte, sondern auch durch seine warmen Farben und die ansprechenden Bilder und Zeichnungen. Ich nehme es immer wieder gerne in die Hand und lasse mich von den Geschichten an andere Orte entführen. Schlage ich spontan eine Seite auf, um mich für mehr oder weniger schwierige Situationen im Alltag inspirieren zu lassen, staune ich manchmal, wie treffend der jeweilige Text mir Antwort gibt. Ich habe schon einige Freunde mit Gisela Riegers wunderbaren Geschichtenbändchen beschenkt und damit viel Freude bereitet."
Sabine Hiller

"Ein mit viel Liebe gestaltetes Buch, dass schon durch sein "Äußeres" den Blick auf sich zieht. Die Geschichten, Gedanken, Zitate berühren und regen zum Nachdenken an. Ein Buch zum Verschenken, Sich-selber-Schenken, das man immer wieder gerne in die Hand nimmt, um die eine oder andere Geschichte erneut zu lesen."
Petra Laufenböck

"Die Geschichten in dem liebevoll gestalteten Büchlein von Gisela Rieger haben für mich etwas von einem Schuhlöffel. Natürlich komme ich in jeden Schuh auch ohne dieses Hilfsmittel, aber mit geht das oft besser. Und manche Geschichte schafft es sogar, mir einen weiteren Blickwinkel zu eröffnen. Ein schönes Geschenk ..."
Ulrike

Inspirierende Geschichten für`s Herz (3er-Set)

3 Bände voller Erzählungen, Weisheiten und Zitate

Mit diesen drei Bänden voller berührender Herzensweisheiten bezaubert die Autorin ihre Leserinnen und Leser mit liebevoll bebilderten Geschichten. Viele der kurzen Erzählungen und Zitate, die oftmals direkt aus dem Leben gegriffen sind, regen zum Nachdenken an und erfreuen gleichermaßen das Herz. Andere wiederum entstammen alt überlieferten Geschichten und Weisheiten, die schon viele Generationen vor uns berührt und begeistert haben. Machen Sie sich selbst oder einem lieben Menschen dieses besondere Präsent und schenken Sie kurzweilige Stunden. Lassen Sie sich inspirieren …

Leseproben finden Sie unter den einzelnen Bänden.
Feedback zu den Büchern, finden Sie unter den einzelnen Büchern.

Sinn-volle Geschichten 1

77 Weisheiten, Erzählungen und Zitate, die berühren und inspirieren.

Dieses Buch ist eine Fundgrube von besonderen Geschichten für besondere Menschen: Geschichten zum selbst lesen oder zum Vorlesen. Geschichten die zum Nachdenken anregen – geschrieben und gesammelt für Menschen, die sich gerne auf einfache und nachhaltige Weise berühren und inspirieren lassen. Das aufwändige Stichwortverzeichnis erleichtert das Finden von passenden Geschichten für viele Gelegenheiten und Situationen.

Treten Sie ein in die Welt der Erzählungen und lassen Sie sich verzaubern und bereichern.
Auch ideal zum Verschenken!

Es wird für irgendetwas gut sein
Es war einmal ein König, dem stets sein weiser Berater zur Seite stand. Dieser konnte allem, was geschah, stets etwas Positives abgewinnen, was jedoch den König manchmal zur Weißglut trieb.
Eines Tages unternahm der Herrscher samt Gefolge einen Ausflug auf eine unbekannte Insel. Am Strand angekommen, sah der König die vielen Palmen mit ihren Früchten.
Es gelüstete ihn nach einer Kokosnuss, so nahm er seine Machete, um die harte Schale zu öffnen. Dabei entglitt ihm die Klinge und er schnitt sich seinen kleinen Zeh ab. Der König schrie vor Schmerz und wehklagte laut! Tröstend sagte sein Berater: „Majestät, es ist sicherlich sehr schlimm und auch sehr schmerzlich, aber es wird bestimmt für irgendetwas gut sein!“
Dieser Kommentar war dem König zu viel und er platzte beinahe vor Wut! Er befahl seinen Dienern, den Berater in ein tiefes Loch zu werfen, aus dem er alleine nie mehr herauskommen würde.
Auf dem Rückweg wurde der König noch auf der Insel von wilden Eingeborenen gefangen genommen und in deren Dorf verschleppt.
Er wurde auf einen steinernen Altar gebunden und das ganze Volk tanzte wild um ihn herum.
Der Medizinmann mit seinem prächtigen Federschmuck trat auf ihn zu und erklärte: „Jedes Jahr opfern wir unserem Gott einen Gefangenen, damit er uns auch im nächsten Jahr wieder gnädig gestimmt ist!“ Dabei begann er laut singend um den Altar herumzutanzen.
An des Königs Füßen angekommen, stockte der Medizinmann, schaute mit prüfendem Blick und rief seinen Leuten zu: „Bindet sofort diesen Mann los und lasst ihn laufen, dieser ist nicht vollkommen, es fehlt ihm ein Zeh! Unser Gott hat aber ein vollkommenes Opfer verdient!“
Umgehend eilte der Befreite, so gut es ihm mit seinem verletzten Fuß möglich war, zu seinem Berater und befahl seinen Dienern, diesen unverzüglich aus dem Loch zu befreien.
„Ich bitte vielmals um Vergebung für das, was ich dir angetan habe. Zu spät erhielt ich die Einsicht, dass du wieder einmal recht hattest!“ Und der König erzählte noch mit Schrecken von dem Erlebnis mit den Wilden.
„Ihr braucht Euch nicht zu entschuldigen mein Gebieter, ich wusste gleich, dass es für irgendetwas gut sein würde, als Ihr mich in das Loch werfen ließet.“
Erstaunt fragte der König, für was denn dies wieder gut gewesen sein solle?
Schmunzelnd antwortete der Berater: „Majestät, stellt Euch nur vor, die Wilden hätten mich gefangen!“
Es heißt, dass es dieser Berater, bis zu seinem seligen Ende, ausgesprochen gut hatte am Königshof.
Nach einer alten Geschichte

Spuren hinterlassen
Es war einmal ein alter Bauer, der seinen letzten Jahren entgegen sah. Der Mann hatte zwei Söhne, die er nach dem frühen Tod seiner Frau, ohne mütterliche Führung, erzogen hatte. Im Laufe der Jahre überkam ihn immer öfter der Zweifel, ob er seinen Söhnen wohl das Wichtigste für ihr Leben vermittelt habe.
So ließ er sie eines Tages zu sich kommen und sprach: „Ich bin alt und gebrechlich geworden. Meine Spuren und Zeichen werden bald verblassen. Um in Frieden gehen zu können, möchte ich, dass ihr in die Welt hinaus zieht und eure ganz eigenen Spuren und Zeichen hinterlasst. Kehrt jedoch innerhalb eines Jahres wieder zurück, sodass ich eure Zeichen noch erblicken kann.“
Die Söhne folgten dem Geheiß ihres Vaters und zogen in die Welt hinaus. Der Ältere begann sogleich eifrig damit, Grasbüschel zusammenzubinden, Zeichen in Bäume zu schnitzen, Steinberge zu errichten und Löcher zu graben, um seinen Weg zu kennzeichnen.
Der jüngere Sohn hingegen ging in die Dörfer. Er sprach mit allen Menschen, denen er begegnete, er feierte, tanzte und spielte mit den Kindern.
Der ältere Sohn wurde zornig darüber und dachte bei sich: „Ich arbeite von früh bis spät und hinterlasse meine Zeichen, mein Bruder hingegen vergnügt sich nur.“
Als beide Söhne wieder heimkehrten, nahm der Vater, gemeinsam mit seinen Söhnen, seine letzte Reise auf sich, um ihre Zeichen zu sehen.
Sie kamen zu den gebundenen Grasbüscheln. Doch der Wind hatte sie verweht und sie waren kaum noch zu erkennen. Viele der gekennzeichneten Bäume waren gefällt worden und auf den Steinhaufen hatten Kinder gespielt und diese zerstört. Sogar die Löcher, die der ältere Sohn mühsam gegraben hatte, waren fast alle wieder zugeschüttet.
Aber wo immer sie auf ihrer Reise hinkamen, liefen Kinder und Erwachsene auf den jüngeren Sohn zu und freuten sich, dass sie ihn wiedersahen und luden ihn zum Essen und zum Feiern ein.
Am Ende der Reise sagte der Vater zu seinen Söhnen: „Ihr habt beide versucht, meinen Auftrag, Zeichen zu setzen und Spuren zu hinterlassen, zu erfüllen. Du, mein Älterer, hast viel geleistet und gearbeitet, aber deine Zeichen sind verblichen. Du, mein Jüngerer, hast Zeichen und Spuren in den Herzen der Menschen hinterlassen. Diese bleiben und leben weiter.“
Nach einem afrikanischen Märchen

Gott sehen
Ein Pfarrer und der Dorfarzt, ein Atheist, unterhalten sich am Stammtisch.
„Solange ich Gott nicht sehen kann, leugne ich seine Existenz“, erklärte der Atheist dem Pfarrer.
Der Geistliche antwortete lächelnd: „Wenn das ihr einziges Argument ist, leugne ich aus dem gleichen Grunde ihren Verstand.“

Über die Tradition
Ein junges Paar war frisch verheiratet. Zu einem Festtag beschloss die junge Frau, eine Lammkeule zu schmoren. Bevor sie den Braten in den Ofen schob, schnitt sie von der Keule das untere Stück ab und legte die zwei Teile nebeneinander in den Schmortopf.
Ihr Mann schaute neugierig über ihre Schulter und fragte sie: „Warum teilst du den Braten entzwei?“ „Ich weiß nicht“, antwortete die Frau, „aber meine Mutter hat das immer genau so gemacht.“
Daraufhin fragte der Mann seine Schwiegermutter, warum sie das untere Stück der Lammkeule abschnitt?
„Ich weiß nicht, aber meine Mutter machte das immer genau so“, antwortete die Schwiegermutter.
Da die Großmutter noch am Leben war, erkundigte sich der junge Mann auch bei ihr, warum sie den unteren Teil der Lammkeule vor der Zubereitung abschnitt?
Die Großmutter antwortete mit einem Schmunzeln: „Ach, das hatte einen ganz einfachen Grund: Mein Schmortopf war damals so klein, dass der ganze Braten einfach nicht hineinpasste.“
Nach Nancy Friday

Unsere tiefste Angst
Unsere tiefe Angst ist es nicht, ungenügend zu sein.
Unsere tiefste Angst ist es, dass wir über alle Maßen kraftvoll sind.
Wir fragen uns, wer bin ich denn, um von mir zu glauben, dass ich brillant, großartig, begabt und einzigartig bin?
Aber genau darum geht es, warum solltest Du es nicht sein?
Du bist ein Kind Gottes. Dich klein zu machen, nützt der Welt nicht.
Es zeugt nicht von Erleuchtung, sich zurückzunehmen, nur damit sich andere Menschen um dich herum nicht verunsichert fühlen.
Wir alle sind aufgefordert, wie Kinder zu strahlen.
Wir wurden geboren, die Herrlichkeit Gottes, die in uns liegt, auf die Welt zu bringen.
Sie ist nicht in einigen von uns, sie ist in jedem.
Und indem wir unser eigenes Licht scheinen lassen, geben wir anderen Menschen unbewusst die Erlaubnis, das Gleiche zu tun.
Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unser Dasein automatisch die anderen.
Quelle: Marianne Williamson
Nelson Mandela hat diese Aussagen in seine Antrittsrede
im Jahre 1994 als Staatspräsident von Südafrika eingebaut.

Ein (nicht) ganz normaler Tag
Eines Tages kommt ein Mann gestresst von der Arbeit nach Hause und findet, statt dem gewohnten, gemütlichen Heim, das totale Chaos vor.
Das Garagentor steht offen, ebenso die Türen am Wagen seiner Frau. Im Vorgarten liegen Roller, Bobby-Car und weitere Spielgeräte verstreut herum. Die Haustüre steht sperrangelweit auf. Im Flur ist die Stehlampe umgefallen, der Läufer liegt zerknüllt in einer Ecke und überall brennt Licht. Im Wohnzimmer läuft der Fernseher; Decken, Kissen und die halbe Legokiste liegen am Boden verteilt.
Der Mann wirft einen Blick in die Küche und sieht die Reste vom Frühstück noch auf dem Tisch stehen, das Geschirr stapelt sich in der Spüle und ein paar Teller und Tassen sind zerbrochen. Hundefutter ist im ganzen Raum verteilt; vom Hund jedoch keine Spur. Der Mann geht zur Terrasse, stolpert über Sandspielsachen, gekrönt von diversen Süßigkeiten und sieht seine Kinder vergnügt, noch im Schlafanzug, mit Matsch spielen!
Der Mann läuft schnell die Treppe hoch, um seine Frau zu finden und muss dabei über weitere Haufen von Spielzeug und diversen Kleidungsstücken steigen. Er geht am Bad vorbei und sieht, dass der Wasserhahn nicht zugedreht ist. Nasse Handtücher liegen am Boden, ebenso eine ganz abgerollte WC-Papierrolle. Zahnpasta ist über den Spiegel und das Waschbecken verschmiert.
Mit rasendem Puls betritt er das Schlafzimmer und findet seine Frau im Bett liegend, mit einem Buch in der Hand! Sie begrüßt ihn lächelnd und fragt: „Na, mein Schatz, wie ist denn heute dein Tag gewesen?“
Fassungslos schaut er auf seine Frau und fragt: „Was ist denn hier heute passiert?“
Immer noch lächelnd gibt sie zur Antwort: „Jeden Tag, wenn du von der Arbeit heimkommst, fragst du mich doch immer, was ich um Himmels Willen den ganzen Tag nur gemacht habe?“
„Ja und weiter“, fragt er entgeistert. Ganz gelassen erwidert sie: „Weißt du, mein Schatz, heute hab ich einmal nichts gemacht!“

"Dieses Büchlein enthält nur wertvolle, herzliche und geistreiche Geschichten, die anrühren, die sich in die Seele und in das Herz eingravieren. Mir ging es beim Lesen so, dass ich alle 77 Geschichten nahezu in einem Zug gelesen habe, weil mich jede Geschichte inspirierte und nach dem Lesen der einzelnen Geschichten dachte ich mir, ja so ist es. So ist das Leben.
Und weil man diese Bereicherung, die man durch das Lesen erfährt gerne weitergeben möchte, habe ich mir gleich mehrere Bücher nachbestellt und sie lieben Menschen geschenkt. Die Rückmeldungen waren so erstaunlich. Es muss wohl so sein, dass gewisse Themen und Inhalte uns Menschen in gleichem Maße berühren."

"Ich besitze dieses Büchlein seit seiner Erscheinung. Es ist eine wundervolle Sammlung von Kurzgeschichten, die im Alltag in vielen Lebenslagen hilfreich sind. Die excellente Auswahl berührt das Herz und weckt Gefühle. Ich habe das Büchlein immer dabei und stöbere immer dann, wenn mir danach ist darin. Jedesmal wird mein Herz erfreut. Die Investition ist absolut lohnenswert."

"Mit viel Liebe und Gefühl erstellt, ist dieses Büchlein eine wunderbare Quelle der Anregung für den Alltag. Mich begeistern Geschichten, die einen berühren und zum Nachdenken anregen schon lange. Daher finde ich es toll hier so eine Sammlung in Händen zu halten. Vor allem das Stichwortverzeichnis erleichtert einem das Auffinden der zum jeweiligen Anlass bzw. Moment passenden Geschichte. Ich kann diese Büchlein jedem nur empfehlen."

"Ich liebe dieses handliche Buch im CD-Hüllen-Format, das eine wunderschöne Auswahl an Texten bereithält, die das Herz berühren und zum Nachdenken anregen. Dieses Buch ist für mich wie eine kleine Oase in der Alltagshektik. Du findest darin diese Art von Geschichten, die ein weiser Mann uns bei Minztee in seinem Wüstenzelt erzählen würde - oder eine weise Frau.... Geschichten, die uns erinnern, worum es wirklich geht in unserem Leben. Es ist für alle, die sich gerne erinnern lassen. Und für alle, die gerne andere inspirieren. Es ist das perfekte Nachschlagewerk für Vorträge und Reden. Ein Schlagwortverzeichnis macht es kinderleicht, eine Geschichte mit der passenden Botschaft zu finden. Dieses Buch ist ein Geschenk und ein Geheimtipp zum Weitererzählen!"

"Dieses kleine Büchlein ist ein wahrer Schatz an schönen Geschichten, Weisheiten und Sprichwörtern. Ich konnte es nicht aus der Hand legen, bis ich alles gelesen hatte. Da das Büchlein genau das ist - ein Büchlein - war ich recht fix durch. Ich habe einige Geschichten und Sprüche schon in einem Schulprojekt angewendet und mit den Kindern darüber philosophiert, sie waren dafür Feuer und Flamme! Das Büchlein eignet sich also hervorragend für Kinder, aber auch für uns "Große", um mal nachzudenken. Ob vor dem Zubettgehen, am Lagerfeuer oder umgeben von Kindern, dieses Büchlein ist sein Geld mehr als wert!"

Sinn-volle Geschichten 2

88 Weisheiten, Erzählungen und Zitate, die berühren und inspirieren.

 

 

 

 

Ich bat um …

Ich bat um Kraft …
und mir wurden Schwierigkeiten gegeben,
um mich stark zu machen.

Ich bat um Weisheit …
und mir wurden Probleme gegeben,
um sie zu lösen und dadurch Weisheit zu erlangen.

Ich bat um Wohlstand …
und mir wurde ein Gehirn und Muskelkraft gegeben,
um zu arbeiten.

Ich bat um Mut …
und mir wurden Hindernisse gegeben,
um sie zu überwinden.

Ich bat um Liebe …
und mir wurden besorgte, unruhige Menschen mit Problemen gegeben,
um ihnen beizustehen.

Ich bat um Entscheidungen …
und mir wurden Gelegenheiten gegeben.
Ich bekam nichts, was ich wollte …
Aber ich bekam alles, was ich brauchte.
Quelle: unbekannt

Selber wissen was richtig ist …
Ein Vater zog mit seinem Sohn und einem Esel in der Mittagsglut durch die staubigen Gassen von Keshan.
Der Vater saß auf dem Esel, den der Junge führte. „Der arme Junge“, sagte da ein Vorübergehender. „Seine kurzen Beinchen versuchen mit dem Tempo des Esels Schritt zu halten. Wie kann man so faul auf dem Esel herumsitzen, wenn man sieht, dass das kleine Kind sich müde läuft.“
Der Vater nahm sich dies zu Herzen, stieg hinter der nächsten Ecke ab und ließ den Jungen aufsitzen.
Gar nicht lange dauerte es, da erhob schon wieder ein Vorübergehender seine Stimme: „So eine Unverschämtheit.
Sitzt doch der kleine Bengel wie ein Sultan auf dem Esel, während sein armer, alter Vater daneben herläuft.“
Dies schmerzte den Jungen und er bat den Vater, sich hinter ihn auf den Esel zu setzten.
„Hat man so was schon gesehen?“ keifte eine Frau, „solche Tierquälerei!
Dem armen Esel hängt der Rücken durch, und der alte und der junge Nichtsnutz ruhen sich auf ihm aus, als wäre er ein Diwan. Die arme Kreatur!“
Die Gescholtenen schauten sich an und stiegen beide, ohne ein Wort zu sagen, vom Esel herunter.
Kaum waren sie wenige Schritte neben dem Tier hergegangen, machte sich ein Fremder über sie lustig: „So dumm möchte ich nicht sein. Wozu führt ihr denn den Esel spazieren, wenn er nichts leistet, euch keinen Nutzen bringt und noch nicht einmal einen von euch trägt?“
Der Vater schob dem Esel eine Hand voll Stroh ins Maul und legte seine Hand auf die Schulter des Sohnes. „Gleichgültig, was wir machen“, sagte er, „es findet sich doch jemand, der damit nicht einverstanden ist. Ich glaube, wir müssen selbst wissen, was wir für richtig halten.“
Quelle: Aus Peseschkian. Der Kaufmann und der Papagei

Deine Gedanken gestalten dein Leben
Ein Mann lebte mit seinem Stand am Straßenrand und verkaufte Würstchen.
Er war schwerhörig, deshalb hatte er kein Radio. Er sah schlecht, deshalb las er keine Zeitung. Aber er verkaufte köstliche, heiße Würstchen. Dies sprach sich herum und die Nachfrage stieg von Tag zu Tag. Er investierte in einen größeren Stand, einen größeren Herd und musste immer mehr Wurst und Brötchen einkaufen. Er holte seinen Sohn nach dessen Studium an der Universität zu sich, damit der ihn unterstützte.
Da geschah etwas …
Sein Sohn sagte: „Vater, hast du denn nicht im Radio gehört, eine schwere Rezession kommt auf uns zu. Der Umsatz wird zurückgehen – du solltest nichts mehr investieren!“
Der Vater dachte: „Nun, mein Sohn hat studiert, er schaut täglich Fernsehen, hört Radio und liest regelmäßig den Wirtschaftsteil der Zeitung. Der muss es schließlich wissen.“
Also verringerte er seine Wurst- und Brötcheneinkäufe und sparte an der Qualität der eingekauften Waren. Auch verringerte er seine Kosten, indem er keine Werbung mehr machte. Und das Schlimmste: Die Ungewissheit vor der Zukunft ließ ihn missmutig werden im Umgang mit seinen Kunden.
Was daraufhin passierte? Es ging blitzschnell:
Sein Absatz an heißen Würstchen ging drastisch zurück.
„Du hast Recht mein Sohn“, sagte der Vater, „es steht uns tatsächlich eine schwere Rezession bevor.“
Verfasser: unbekannt

Die Liebe und der Engel
Ich saß alleine auf einem Spielplatz auf der Schaukel, als ein kleines Mädchen zu mir kam … es sah mich schaukeln und meine Tränen.
Es fragte mich: „Warum weinst du?“
Ich sagte: „Wegen der Liebe!“
Das kleine Mädchen schwieg kurz und fragte mich dann: „Was ist Liebe?“
Ich sah es an und versuchte ihr zu antworten … ich dachte kurz nach und sagte dann: „Liebe ist Trauer!“
Sie meinte kurz drauf: „Nein, das ist es nicht!“ Sie berührte mich sanft im Gesicht und schaute mir in die Augen. „Liebe ist unendliches Glück. Denn das wunderbarste, was du je lernen kannst, ist zu lieben und wieder geliebt zu werden und dass du weinst, zeigt mir, dass du lieben kannst, also solltest du froh darüber sein. Denn es gibt auch Menschen, die haben nie zu lieben gelernt, also lache lieber! Denn du kannst lieben!“ Mit diesen Worten ging das Mädchen …
Ich trocknete meine Tränen und wollte sie fragen, woher sie diese Weisheit hat, doch ich konnte das Mädchen nicht mehr finden … und als ich hoch sah, sah ich einen Engel …
Verfasser: unbekannt

"Wie in Band 1- wundervolle Geschichten zum Entspannen, Nachdenken und Weitergeben. Berührend, inspirierend und bereichernd für Geist und Seele. Auch sehr anregend fürs praktische Leben. Hab es schon an viele nahestehende liebe Menschen verschenkt- immer mit sehr schönen Rückmeldungen. Ich freue mich auf Band 3!"

"Dieses wundervolle Büchlein habe ich von meiner Freundin bekommen. Es hat mit berührt und zum nachdenken angeregt. Meist lese ich eine Geschichte im Bett, um darüber noch etwas zu sinnieren.
Ich habe es mittlerweile schon öfter an meine lieben Freunde und Bekannte verschenkt; auch hier bekam ich positive Rückmeldung.
Eine super Idee, diese sinn-vollen Geschichten, Weisheiten und Erzählungen zu sammeln und zu bündeln."

"Wie schon im ersten Band enthält auch dieses Büchlein Erzählungen, Fabeln und Texte zum Nachdenken und Weitererzählen. Die Geschichten ergreifen die Leser, regen zum Handeln an und fördern die Erzählkultur. Schöne Impulse für den Alltag oder die spirituelle Arbeit. Sehr empfehlenswert für sich selber, aber auch als Geschenk!"

Sinn-volle Geschichten 3

99 Weisheiten, Erzählungen und Zitate, die berühren und inspirieren.

Der wahre Wert des Rings
Ein junger Mann ersuchte einen Weisen um Hilfe. „Meister, ich bin gekommen, weil ich mich so wertlos fühle, dass ich überhaupt nichts mehr mit mir anzufangen weiß. Man sagt, ich sei ein Nichtsnutz, was ich anstelle mache ich falsch, ich sei ungeschickt und dumm noch dazu. Meister sagt mir, wie kann ich ein besserer Mensch werden? Was kann ich tun, damit die Leute eine höhere Meinung von mir bekommen?“
Der Meister zog einen Ring vom kleinen Finger seiner linken Hand, gab ihn dem Jungen und sagte: „Nimm das Pferd, das draußen bereitsteht, und reite zum Markt und verkaufe diesen Ring. Du musst unbedingt den bestmöglichsten Preis dafür erzielen, und verkauf ihn auf keinen Fall für weniger als ein Goldstück.“
Der Junge nahm den Ring und machte sich auf den Weg. Kaum auf dem Markt angekommen, pries er ihn den Händlern an, die ihn mit einigem Interesse begutachteten, bis der Junge den verlangten Preis nannte. Als er das Goldstück ins Spiel brachte, lachten einige, die anderen wandten sich gleich ab, und nur ein einziger alter Mann war höflich genug, ihm zu erklären, dass ein Goldstück viel zu wertvoll sei, um es gegen einen Ring einzutauschen.
Nachdem er das Schmuckstück jedem einzelnen Marktbesucher gezeigt hatte, der seinen Weg kreuzte – und das waren nicht weniger als hundert –, stieg er, von seinem Misserfolg vollkommen niedergeschlagen, auf sein Pferd und kehrte zurück. „Meister“, sagte er, „es tut mir leid. Das, worum du mich gebeten hast, kann ich unmöglich leisten. Vielleicht hätte ich zwei oder drei Silberstücke dafür bekommen können, aber es ist mir nicht gelungen, jemanden über den wahren Wert des Ringes hinwegzutäuschen.“
„Was du sagst, ist sehr wichtig, mein junger Freund“, antwortete der Meister mit einem Lächeln. „Wir müssen zuerst den wahren Wert des Rings in Erfahrung bringen. Steig wieder auf dein Pferd und reite zum Schmuckhändler. Wer könnte den Wert des Rings besser einschätzen als er? Sag ihm, dass du den Ring verkaufen möchtest, und frag ihn, wie viel er dir dafür gibt. Aber was immer er dir auch dafür bietet: Du verkaufst ihn nicht. Kehr mit dem Ring hierher zurück.“
Und erneut machte sich der Junge auf den Weg. Der Schmuckhändler untersuchte den Ring im Licht einer Öllampe, er besah ihn durch seine Lupe, wog ihn und sagte: „Mein Junge, richte dem Meister aus, wenn er jetzt gleich verkaufen will, kann ich ihm nicht mehr als achtundfünfzig Goldstücke für seinen Ring geben.“ „Achtundfünfzig Goldstücke?“, rief der Junge aus. „Ja“, antwortete der Schmuckhändler. „Ich weiß, dass man mit etwas Geduld sicherlich bis zu siebzig Goldstücke dafür bekommen kann.“
Aufgewühlt eilte der Junge in das Haus des Meisters zurück und erzählte ihm, was geschehen war. „Setz dich“, sagte der Meister, nachdem er ihn angehört hatte. „Du bist wie dieser Ring: ein Schmuckstück, kostbar und einzigartig. Und genau wie bei diesem Ring kann deinen wahren Wert nur ein Fachmann erkennen. Warum irrst du also durch dein Leben und erwartest, dass jeder x-beliebige um deinen Wert weiß?“ Und noch während er dies sagte, streifte er sich lächelnd den Ring wieder über den kleinen Finger der linken Hand.
Quelle: Jorge Bucay, aus „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ – verkürzt und abgeändert RG

Wissen ist ein Schatz, den dir keiner nehmen kann …
Der beste Traktor eines großen Bauern ließ sich nicht mehr starten. Alle Reparaturversuche des Bauern und der umliegenden Werkstätten misslangen. Die Zeit drängte, da die Ernte einzubringen war.
Schließlich rang sich der Bauer durch, einen Experten aus der Großstadt zu rufen. Dieser begutachtete kurz den Traktor, öffnete die Motorhaube, drehte an ein paar Schrauben, betätigte den Anlasser und zur großen Freude des Bauern sprang der Traktor umgehend wieder an. Der Motor tuckerte, als wäre er nie kaputt gewesen.
Als der Experte dem Bauern die Rechnung ausschrieb, wurde dieser sehr ärgerlich: „Was, du willst 250 Euro, wo du doch keine 5 Minuten für die Reparatur gebraucht hast!?“
„Lieber Freund“, antwortete der Experte, „für die Reparatur berechne ich dir 10 Euro, für die Anfahrt zu deinem Hof 40 Euro, 200 Euro sind für das Wissen, das notwendig war, um den Fehler wieder beheben zu können!“
Quelle: unbekannt – umgeschrieben RG

Das Leiden der Stachelschweine
Eine Gesellschaft von Stachelschweinen drängte sich an einem kalten Wintertage recht nahe zusammen, um sich durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen.
Jedoch bald spürten sie die gegenseitigen Stacheln, und sie entfernten sich wieder voneinander. Wenn nun das Bedürfnis nach Wärme sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, so dass sie zwischen beiden Leiden hin- und her geworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung voneinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.
So ist es wohl auch bei den meisten von uns. Auch wenn man sich noch so gern hat, jeder braucht seinen Freiraum. Und diesen muss man erst herausfinden, bis man das Optimum an Nähe und Distanz gefunden hat.
Quelle: Philosoph Arthur Schopenhauer (1788 – 1860)

Auf der Suche nach dem Buddha
Buddha reiste durch die Welt, um seine selbsternannten Schüler zu treffen und ihnen von der Wahrheit zu berichten. Wo immer er sich auch aufhielt, immer strömten die Leute, die an sein Wort glaubten, in Scharen herbei, um ihm zuzuhören, ihn zu berühren oder zu sehen, und sei es auch nur dies eine Mal in ihrem Leben. Vier Mönche, die erfahren hatten, dass der Buddha irgendwann auch nach Vaali kommen würde, luden ihre Siebensachen auf ihre Maultiere und machten sich auf die Reise, die, wenn alles gutging, einige Wochen dauern würde. Einer von ihnen kannte sich nicht gut aus, er heftete sich an die Fersen der anderen. Nach drei Tagen wurde die Gruppe von einem gewaltigen Sturm überrascht. Die Mönche beschleunigten ihr Tempo und gelangten in ein Dorf, wo sie Unterschlupf fanden, bis der Sturm vorbei war.
Der letzte aber erreichte das Dorf nicht rechtzeitig und musste etwas außerhalb Zuflucht im Haus eines Schäfers suchen. Der Schäfer gab ihm Kleidung, Verpflegung und ein Dach über dem Kopf für die Nacht. Bevor er am nächsten Morgen aufbrach, wollte sich der Mönch noch von seinem Wohltäter verabschieden. Doch der Sturm hatte die Schafe verscheucht, und der Schäfer war damit beschäftigt, sie wieder zusammenzutreiben. Der Mönch überlegte, dass seine Mitbrüder eventuell schon das Dorf verlassen hätten und er sie sicherlich nicht mehr einholen konnte, wenn er sich nicht beeilte. Aber es schien ihm unmöglich, seine Reise fortzusetzen und den Schäfer, der ihm Kost und Logis gewährt hatte, seinem Schicksal zu überlassen. Also beschloss er zu bleiben, bis sie gemeinsam alle Schafe wieder eingefangen hätten. Erst drei Tage später konnte er sich eilig auf den Weg machen, um Anschluss an seine Gefährten zu finden.
Auf den Spuren der anderen machte er an einem Bauernhof halt, um seinen Wasservorrat aufzufrischen. Eine Frau zeigte ihm, wo der Brunnen war, und entschuldigte sich, ihm nicht recht behilflich sein zu können, denn sie müsse ihre Ernte einbringen. Während der Mönch sich anschickte, seine Maultiere zu tränken und seine Wasserschläuche zu füllen, schilderte sie ihm, wie schwierig es für sie und ihre Kleinen nach dem Tod ihres Mannes war, die Felder abzuernten, bevor das Korn verdarb. Der Mönch erkannte, dass es die Frau allein niemals schaffen konnte, die gesamte Ernte innerhalb gebotener Zeit einzubringen, aber er wusste auch, dass er, wenn er bliebe, die Spur verlieren und nicht in Vaali sein würde, wenn der Buddha dort ankäme. „Dann sehe ich ihn eben ein paar Tage später“, dachte er, denn er wusste, dass Buddha erst in ein paar Wochen von Vaali aufbrechen würde. Nach drei Wochen war die Ernte eingebracht, und der Mönch begab sich wieder auf die Reise.
Da erfuhr er, dass Buddha Vaali bereits verlassen hatte und zu einem Dorf im Norden unterwegs war. Der Mönch änderte seine Route und trieb sein Maultier in Richtung dieses Dorfes an. Er hätte dort hinkommen und ihn wenigstens sehen können, doch auf dem Weg musste er einem älteren Paar zu Hilfe eilen, das stromabwärts trieb und ohne seinen Beistand dem sicheren Tod ins Auge geblickt hätte. Als die beiden Alten wieder bei Kräften waren, nahm er seinen Pfad wieder auf, da er wusste, dass Buddha seine Reise fortsetzte.
Zwanzig Jahre lang folgte der Mönch Buddha auf seinem Weg. Jedes Mal, wenn er in seine Nähe gelangte, kam es zu einem Zwischenfall, der seine Reise unterbrach. Immer gab es da jemanden, der seine Unterstützung brauchte und ihn unwissentlich davon abhielt, rechtzeitig bei Buddha einzutreffen.
Schließlich hörte der Mönch, dass Buddha an seinen Geburtsort zurückkehren wollte, um dort zu sterben. „Das ist meine letzte Gelegenheit“, dachte er bei sich. „Wenn ich nicht selbst sterben will, ohne Buddha vorher gesehen zu haben, darf ich jetzt nicht mehr vom Weg abkommen. Jetzt gibt es nichts Wichtigeres mehr, als Buddha zu treffen, bevor er das Zeitliche segnet. Danach wird es noch genügend Gelegenheiten geben, anderen zu helfen.“ Auf seinem Maultier machte er sich mit dem restlichen Proviant auf die Reise.
Am Morgen, bevor er das Dorf erreichte, stolperte er fast über einen verletzten Hirschen. Er kümmerte sich um ihn, gab ihm zu trinken und bedeckte seine Wunden mit frischer Tonerde. Der Hirsch schnappte verzweifelt nach Luft, da ihm schon mehr und mehr der Atem wegblieb. Aber weit und breit war kein Mensch in Sicht. Behutsam bettete er das Tier gegen einen Felsen, um seinen Weg fortzusetzen, er ließ ihm Wasser und Futter in Reichweite seiner Schnauze da und erhob sich zum Gehen. Er hatte kaum zwei Schritte getan, da wusste er, dass er Buddha nicht vor die Augen treten konnte und im tiefsten Herzen wissen, dass er ein sterbendes Wesen sich selbst überlassen hatte …
Also sattelte er das Maultier wieder ab und blieb, um die arme Kreatur zu pflegen. Die ganze Nacht lang wachte er über den Schlaf des Hirschen, als handelte es sich um ein Kind. Er gab ihm zu trinken und wechselte die Umschläge auf seiner Stirn. Als der Morgen graute, hatte das Tier sich erholt.
Der Mönch stand auf, setzte sich an einen verborgenen Ort und weinte … Schließlich hatte er auch die letzte Gelegenheit verstreichen lassen. „So habe ich Dich nie treffen können“, sagte er laut.
„Such nicht weiter nach mir“, sagte eine Stimme hinter ihm, „denn du hast mich bereits getroffen.“
Der Mönch drehte sich um und sah, wie sich der Hirsch mit Licht füllte und die rundliche Form Buddhas annahm. „Du hättest mich verloren, wenn du mich heute Nacht hättest sterben lassen, um mich im Dorf zu treffen … Und, was meinen Tod angeht, so sei unbesorgt: Solange es Menschen wie dich gibt, die sich jahrein, jahraus auf die Suche nach mir begeben und unterdessen zugunsten anderer auf ihre eigenen Bedürfnisse verzichten, kann Buddha nicht sterben. Denn genau das ist Buddha. Buddha ist in dir.“
Quelle: Aus „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ von Jorge Bucay

"Den Band 3 dieser "Sinn-vollen Geschichten" bekam ich von einer guten Freundin geschenkt. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch gar nicht, dass es sowas beeindruckend es gibt. Mit Herzenswärme ausgesucht und geschrieben!"

"Habe heute Mittag den Band 3 von Gisela Riegers Sinnvollen Geschichten bekommen und bin sofort eingetaucht. Das Büchlein ist sehr inspirierend und total emotional. Habe es einmal komplett gelesen und bin dann in die mich am meisten ansprechenden Geschichten eingetaucht. Nach kurzer Einwirkzeit haben die Essenzen nur so gesprudelt. Die zahlreichen hübsch verpackten Beispiele sind für die Sinne und 1:1 in das reelle Leben übertragbar. Das Buch ist ab sofort mein Reisebegleiter während meiner zahlreichen Geschäftsreisen."

"Für mich ist Band 3 die absolute Krönung! Tiefgründig, fesselnd, leicht zu lesen und dennoch etwas mehr spirituell angehaucht.
Diese Bücher sind ein ideales Mitbringsel über das sich Jung und Alt sehr freut. :-)"

"Wie auch die Bände 1 und 2 ist dieses Büchlein eine Schatztruhe, gefüllt mit wunderbaren, sinnigen Geschichten.
Ich verwende in meiner therapeutischen Arbeit sehr gerne Geschichten oder Metaphern, da sich die Menschen dadurch berühren lassen und so eine Veränderung der Sichtweise ermöglicht werden kann. Außerdem sind die Geschichten wunderbar, um sich selbst beim Lesen im Herzen und in der Seele berühren zu lassen, oder einfach einem lieben Menschen zu schenken. Die Weisheit in den Geschichten lässt sich wunderbar in Alltagssituationen integrieren."

Sinn-volle Geschichten 3-er Pack

77+88+99=264 Weisheiten, Erzählungen und Zitate, die berühren und inspirieren

Leseproben finden Sie unter den einzelnen Bänden.

"Hallo Frau Rieger,
ich muss Ihnen jetzt einfach mal mitteilen, dass mich Ihre "Sinn-vollen Geschichten" immer wieder erfreuen, berühren und faszinieren. Mittlerweile habe ich alle 3 Bände und schon mehrmals eines verschenkt und damit große Freude bereitet.
Danke für die tollen Ausgaben.
Hochachtungsvoll und mit großem Respekt"

"Diese Sammlung ist toll! Die Geschichten regen an, über vieles nachzudenken. So manch eine Geschichte lässt mich nicht los und begegnet mir im Alltag immer wieder, wenn eine solche Situation eintritt und man schon festgefahrene Gedankenmuster runterspult. So hält man kurz inne und sieht sich die Sache mal genauer oder von einer anderen Sichtweise an."

"Ich lese die Bücher immer wieder. Es laufen die Tränen vor Lachen und vor Weinen. Ich bin auf allen Ebenen berührt. Manchmal lese ich daraus vor, den erwachsenen Kindern oder den Yogaschülern. Überall hinterlassen die Geschichten ihre Wirkung."