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Erkenne deinen Wert!

11 November 2017 // geschrieben von: Gisela Rieger
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Du selbst bist der wertvollste Mensch in deinem Leben!

Viele Menschen „stellen ihr eigenes Licht unter den Scheffel“ und sind viel zu kritisch mit sich.
Vergiss nicht, dass Wertschätzung nicht nur eine positive Bewertung anderer Menschen ist, sondern ganz wichtig für dich selbst. Du kannst dir ruhig öfter mal selbst „auf die Schulter klopfen“!
Meist erhalten Menschen mit einem gesunden Selbstwert mehr Wertschätzung aus ihrem Umfeld. Und mal ehrlich – wer genießt es nicht, wenn man positives Feedback oder nette Worte zu hören bekommt.

Es gibt keinen Wert im Leben außer dem, welchen man selbst wählt,
und kein Glück, außer welches man selbst mitbringt.

Henri David Thoreau, amerikanischer Dichter und Philosoph, 1817-1862

Deine positiven Eigenschaften

Erstelle deine positive Liste 😊 Nimm dir einen Block oder ein kleines persönliches Notizbuch und notiere dir deine positiven Eigenschaften. Z. B. Ehrlichkeit, Selbstvertrauen, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit etc.

Lass dir ruhig Zeit und notiere dir so viele Punkte wie möglich. Du kannst auch deine Familie, Freunde etc. fragen, was diese an dir toll finden.
Für viele ist es ungewohnt, über sich selbst nur positives zu schreiben. Jedoch bekam ich bisher von meinen Seminarteilnehmern … nur super Rückmeldungen! 😊
Es kommen in meinen nächsten Blogbeiträgen noch mehrere „kleine positive Hausaufgaben“, da wäre ein persönliches Notizbüchlein ganz sinnvoll. 😊

Geschichte: Die positive Liste

An einer Schule war viele Jahre eine Lehrerin tätig. Sie verkörperte das, was man eine Pädagogin aus Leidenschaft nennt. Unter den Kollegen war sie dafür bekannt, dass sie sich nicht immer an die Lehrpläne hielt. Da jedoch ihre Klassen immer überdurchschnittlich gut abschnitten, sah der Direktor stets diskret darüber hinweg.

So legte sie eines Tages ihrer Schulkasse zu Beginn der Deutschstunde eine Liste vor, auf der alle Namen der Mitschüler geschrieben standen. Sie erklärte ihren Schülern, dass sie heute eine anonyme Umfrage durchführen wolle. Alle sollten unter jedem Namen, auf den freien Zeilen, aufschreiben, was sie an den Klassenkameraden besonders schätzen würden.

Nach anfänglicher Unruhe im Klassenzimmer wurde es schnell ganz still. Viele achtsame Blicke wanderten unter den Schülern umher. Die Lehrerin vermeinte, dass sich wirklich alle Gedanken machten, um über jeden etwas Persönliches zu schreiben.

Über die Weihnachtsferien fasste sie alle gesammelten Bemerkungen, für jeden Schüler persönlich, auf ein eigenes Blatt zusammen.

Im neuen Jahr, am ersten Schultag, übergab sie allen Schülern einen Briefumschlag mit ihrer „positiven Liste“, wie sie es nannte.

Beim Lesen der persönlichen Zeilen wurden sogar die coolsten Schüler ein wenig rot im Gesicht.

Ein eigenartiges Flüstern ging durch die Klasse. Die Lehrerein vernahm ab und zu ein paar Kommentare wie: „Wirklich?“ oder „Ich hätte nie gedacht, dass mich jemand so sieht!“ – „Ich dachte nicht, dass andere mich wirklich mögen!“ …

Niemals wurde sie auf ihre „positive Liste“ angesprochen. Die Lehrerin fragte auch nicht nach, ob sich die Jugendlichen darüber unterhalten haben oder mit ihren Eltern darüber sprachen. Einzig und allein war für sie wichtig, dass sich seit dem Tag in der Klassengemeinschaft vieles zum Positiven veränderte!

Einige Jahre später las die Lehrerin in der Tageszeitung, dass einer dieser Schüler bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall ums Leben kam. Da ihr alle Schüler sehr am Herzen lagen, ging sie zu seinem Begräbnis.

Die Kirche war überfüllt von Verwandten, Freunden und allen, die ihm in irgendeiner Weise nahe standen. Die Lehrerin trat als eine der letzten Trauergäste vor das Grab und betete für ihren

einstigen Schüler. Da traten die Eltern des Verstorbenen auf sie zu und fragten, ob sie, Michaels ehemalige Lehrerin sei?

Als diese bejahte, sagten sie, dass er häufig von ihr gesprochen habe. Der Vater holte ein altes vergilbtes Papier aus seiner Brieftasche und reichte es ihr wortlos. Dieses Blatt wurde offensichtlich sehr oft auseinandergefaltet und wieder zusammengelegt, dementsprechend zeichneten es viele Klebestreifen, die es zusammenhielten.

Die Mutter sprach weiter: „Wir dachten, Sie würden es wiedererkennen.“ Die Lehrerin ahnte ohne hinzusehen, um was es sich handelte. „Wir haben dieses nach seinem Tod in seiner Geldbörse gefunden. Wir möchten uns bei Ihnen bedanken, dass Sie so etwas gemacht haben! Wie Sie sehen können, hat Michael dies sehr geschätzt!“

In der Zwischenzeit haben sich immer mehr der ehemaligen Schüler um die Lehrerin versammelt.

Alex kam als erstes auf sie zu und sagte: „Ich habe meine Liste auch immer noch. Ich verwahre sie stets in meiner Brieftasche.“

Petra meinte, dass sie ihre Liste als Hintergrundbild am PC habe.

Steffi sagte, dass ihre Liste in ihrem Terminplaner läge, den sie immer bei sich hätte, und zeigte ihre ausgefranste Liste.

Thilo meinte, dass alle ihre „positive Liste“ auf irgendeine Weise aufbewahrt haben. Diese Blätter hätten sich in ihre Herzen eingebrannt!

Die Lehrerin war von den Worten dermaßen gerührt, dass sie sich auf die nächste Bank setzen musste. Sie weinte die Tränen der Trauer um den verstorbenen Schüler und zeitgleich die Tränen der Freude.

Aus Buch: Sinn-volle Geschichten Band 1 von Gisela Rieger – Ziel Verlag